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Meine Erfahrung mit dementen & hilfsbedürftigen Menschen als Helfer


Meine Geschichte und damit verbundenen Erfahrung mit Hilfsbedürftigen und dementen Menschen


Den Mut den ich hatte und jeden Tag aufs Neue habe, um anderen Menschen die Angst zu nehmen, für sie da zu sein und ein Beitrag zu sein.

Ein paar Gedanken zu meiner ehrenamtlichen Tätigkeit mit hilfsbedürftigen und dementen Menschen und warum ich durch diesen Blog Mut machen will.

Wie kam es zu diesem Ehrenamt?!

Als ich Anfang des Jahres mit Jasmin mich entschloss ehrenamtlich zu helfen, hat die Geschichte begonnen.

Ein Schritt wenn ich mit dir noch zurück gehe, begann alles bei einem Netzwerktreffen in dem ich mit Jasmin Susanne Binder traf die bereits seit über 30 Jahren in der Betreuung und Pflege unterwegs ist. Mit NonnaAnna gibt es hier ganz neue Möglichkeiten als Ehrenamtler tätig zu sein und um zu helfen.

Und genau das mache ich. Ich bin seit März als Helfer im Sinne der §45a SGB XI Stand 01.01.2019 unterwegs. Im Auftrag pflegebedürftiger, dementer Menschen und Menschen mit verschiedenen Pflegegraden und Einschränkungen. Hier geht es darum in alltäglichen Dingen zu unterstützen, Familienangehörige zu entlasten und mental eine Hilfe zu sein.

Als Mensch, MutBotschafter und Unternehmer ist es mir eine besondere Ehre die letzten Generationen zu unterstützen. Wobei es allerdings nicht nur ältere Menschen sind - überwiegend. 

Die Weiterbildung & Schulung

In Passau gab es die ersten Berührungen mit NonnaAnna und deren Arbeitsweise sowie Einblicke in die Welt von Demenzkranken Menschen. Hier passierte einiges mit mir und meinen Gedanken. Da ich ja quasi Quereinsteiger bin und von diesem Bereich ja überhaupt keine Ahnung habe war es für mich besonders berührend, heftig und herausfordernd gewisse Situationen und verhaltensweisen zu akzeptieren und zu verstehen.

Aber warum war ich der Überzeugung, dass dies dennoch was für mich sein könnte?

Ganz einfach. Ich bin Mensch, einfühlsam, besitze die Fähigkeit mich auf jeden Menschen einzulassen und sie dort abzuholen wo sie gerade sind und wenn es sich immer immer wieder wiederholt. Ich kann sofort reagieren, mich hineinversetzen, mich freuen und total präsent sein. Mehr später noch zum Thema Präsenz. 

Die Schulung zeigte mir die Notwendigkeit auf, warum ich das tun sollte. Es verstärkte sich von Tag zu Tag dieser Schulung. Hier lernten wir so einiges über Demenz, Haushaltsreinigung, Einkaufshilfe, wie reagiere ich in bestimmten auch herausfordernden Situationen und was gibt es zu beachten. All dies gab mir etwas mehr Sicherheit und Mut. 

Hatte ich Angst?

Ja hatte ich. Ich hatte ja überhaupt keine Vorstellung was da auf mich zukommt, weil mir schlichtweg die Vorstellungskraft dazu fehlte. Es ist ein Bereich, in dem ich nie wirklich einen ehrlichen Einblick bekommen und immer wieder nur oberflächlich über die Medien mitbekommen habe. Daher denke ich war meine Angst begründet. Aber auch sie schwand und verwandelte sich in Zuversicht und Mut. Denn ich war entschlossen dies zu tun. 

Die ersten Einsätze mit NonnaAnna

Nach dem ich die Schulung fertig hatte ging es auch schon los. Die ersten Einsätze hatte Susanne ( Sie ist für den Raum Regensburg und Umland zuständig) bereits organisiert. Meine Klienten sind hier ein 57 jähriger Mann der seit über 35 Jahren in der Behinderten Werkstatt arbeitet und kleine auch Kognitive Einschränkungen hat. Ansonsten fit, dennoch im Bereich mit Zahlen und logischem Denken nicht mehr so fit. Bei diesem Herren bin ich sehr gerne, weil er durch meine Anwesenheit wieder in Gesellschaft ist, plaudern, lachen und gemeinsam mit mir spielen kann. Herr H. ist immer wieder sehr erfreut mich zu sehen und das ist mitunter der Grund warum ich das mache. Ich gebe hier meine Präsenz, meine Aufmerksamkeit und meine Zeit. 

Dieser Mensch ist für mich ein Mensch wie du und ich, nur anders und dennoch ein vollmündiges Mitglied unserer Gesellschaft. Warum dann also links liegen lassen. Er hatte eh zu kämpfen mit ein paar Menschen um ihn herum, die herablassend zu ihm waren und ihn als jemanden betrachteten der es nicht würdig ist, ein normales und zufriedenes Leben zu führen. Schrecklich diese Vorstellung, dass es tatsächlich solche Menschen gibt. Kenne ich nicht in meiner Welt. Jedenfalls bin ich vorläufig 2 mal die Woche für je 3 Stunden bei ihm, um ihn zu unterhalten, zu versorgen und nach dem rechten zu schauen. Denn gerade in diesen Zeiten ist es absolut wichtig, genau diese Menschen nicht hängen zu lassen. 

 

Der nächste Klient ist schon etwas älter und heißt Hr. M. und Herr M. hat Demenz und hatte ein Unternehmen mit 40 Mitarbeiter geführt und war seit über 40 Jahren Unternehmer. Herr M. ist ein sehr gebildeter und sympatischer Mann, der sehr viel erlebt hatte, eine wundervolle und fleißige Frau hat und jetzt von vielen Dingen nichts mehr mitbekommt. Hier unterstütze ich seine Frau und entlaste sie.

 

Entlastungsbetreuung nennen wir das, damit die Frau bzw. die Angehörigen auch mal Luft zum atmen haben und ihre Erledigungen vollbringen können. Ich spiele mit ihm, lenke ihn ab, gehe spazieren, spiele Ball, rechne und lese oder lache und singe mit ihm und seiner Frau. Alles Bereiche die ich so nie machte. Jetzt lerne auch ich etwas völlig fremdes und ich bin stolz drauf. 

Jetzt kommen wir zur präsenz

Präsenz hat durch beide Fälle, insbesondere durch den letzteren beschriebenen Fall eine völlig andere und neue Bedeutung für mich und alle Beteiligten. Warum?

Weil Präsenz, wie ich sie kenne und lebe durch Ablenkung gestört wird und das öfter als mir lieb wäre. Bedeutet, das meine Aufmerksamkeitsspanne unterbrochen werden kann ohne dass es jemand stört oder schadet. 

Doch hier bei Herrn M. zum Beispiel muss ich zu 100% präsent sein.

Heißt: Er benötigt volle Aufmerksamkeit, Präsenz meiner Anwesenheit und Liebe. Ja Liebe zum Hilfsbedürftigen, Liebe zum Geschehen.

Es heißt, dass diese Präsenz es gar nicht mir erlaubt an etwas anderes zu denken, weil Menschen mit Demenz die Aufmerksamkeit brauchen und es auch essentiell ist. Sie spüren es und reagieren dementsprechend. Und bist du ein paar Sekunden nicht aufmerksam, so ist er plötzlich weg, macht irgendwas worüber er sich keine Gedanken macht oder ist Gedanklich wieder völlig woanders. Und hier wird es spannend, darum auch das Thema Präsenz. Es ist ein Wechselbad der Worte und Gedanken. Jetzt reden wir über Farben und 3 Sekunden später will er etwas basteln und dann wieder etwas anderes. Die Aufmerksamkeitsspanne beträgt meistens in dieser Phase ca. max 15-20 Minuten. Und dann gibt es etwas neues. 

Ja ich gebe zu, es ist herausfordernd und dennoch erfrischend zu gleich.

Herr M. Und Herr H. holen mich beide in die Gegenwart. Warum das mir so wichtig ist? Na weil ich dadurch wesentlicher klarer werde bzw. bin und ich durch das leben im Hier und Jetzt mich auf das Wesentliche konzentriere. ich bin mir sicher, es wirkt sich auf mein Leben außerhalb der Betreuung aus, denn das ist eine Übung die einiges erfordert und ohne diese Möglichkeit wahrscheinlich nur sehr schwer zu erreichen wäre. Das Gleiche gilt natürlich auch für die Klienten. Sie leben im Hier und Jetzt und das bedeutet ihnen unheimlich viel. Weg von allen Sorgen und Nöten. Weg von Menschen die es nicht gut meinen und weg von Schwere. Und deswegen denke ich, ist all das eine Win Win Situation für uns alle. 

Warum ich so ausführlich über die Betreuung berichte?

Mir ist es ein Anliegen, durch meine Geschichte dir Mut zu machen. Es gibt noch so viele Menschen die jemanden brauchen, weil sie leider abhängig geworden sind. Ich rufe dazu auf, die Augen zu öffnen und gerade in diesen Zeiten merken wir ganz besonders wie abhängig manche Systeme und Menschen voneinander sind. Da können wir nicht weggucken, da können wir nicht mit Ignoranz drüberbügeln, auf keinen Fall.

Nach diesem Blog, hast du ein paar Link die ich für dich recherchiert habe, da NonnaAnna nur in Bayern vertreten ist. Helferdienste gibt es allerdings Bundesweit und die benötigen sehr viel Unterstützung. Melde dich bei ihnen, denn Zeit ist momentan genug da und darüber hinaus wirst du es einrichten können, weil du verstehst warum du es einrichten musst. Es ist ein kleiner Beitrag für dich und hat eine große Wirkung für die hilfsbedürftigen und demenzkranken Menschen da draußen. 

Schau nicht länger weg, sondern wenn du schon immer helfen wolltest und ältere Menschen beim einkaufen unterstützen wolltest, dann melde dich entweder bei mir oder direkt bei Susanne, falls du aus dem Raum Bayern kommst oder unter eines der Links an einen passenden Ansprechpartner.

 

Die Menschen da draußen brauchen uns, brauchen dich!

Links und Hinweise um in deiner Region selbst anzufragen

Rheinland Pfalz

Bayern NonnaAnna

Hamburg

Sachsen Sachen

Thüringen

 

So, jetzt hast du ein paar Links für alle Himmelsrichtungen. Den Rest überlasse ich deinem natürlichen Trieb des Helfens. 


ACHTUNG: LEIDER KANN ES AUFGRUND VON CORONA DAZU KOMMEN, DASS DIENSTE EINGESTELLT WURDEN UND ERST NACH DER KRISE WIEDER FÜR ALLE OFFEN SIND.

Ein paar Worte zum Schluss

Schön, dass du bis hier her gelesen und dir die Zeit genommen hast. Es war mir wichtig diese Zeilen zu schreiben um dir zu zeigen, dass auch ohne Vorkenntnisse ein beitragen möglich ist. Es ist bestimmt nicht einfach, kommt auf dich an, wie du mit deinem Leben, mit all den Menschen umgehst, dennoch lohnt es sich dran zu bleiben. 

 

Ich mache weiter und gehe im Auftrag dieser hilfsbedürftigen, dementen und älteren Menschen durch all meine Ängste und Herausforderungen. Denn diese Menschen haben es sich nicht ausgesucht, sie sind in diese neue Rolle plötzlich oder sehr langsam hineingekommen oder sie sind einfach nur älter geworden. 

Es grüßt dich herzlichst

Stefan Groll,

dein MutBotschafter mal ganz privat


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Kommentare: 7
  • #7

    Jana (Tuesday, 31 March 2020 21:01)

    Ich bin beruflich einmal die Woche in einem Seniorenheim tätig! Zur Zeit nicht wegen Corona, aber worauf ich hinaus will, ich sehe da auch ab und zu ehrenamtliche Betreuer und finde toll, was sie für Arbeit leisten! Die Menschen dort freuen sich so über Aufmerksamkeit und Zeit!

    PS: Ich arbeite ab und zu mit Nonna Anna-Therapiematerial :)

    Liebe Grüße
    Jana

  • #6

    WellSpa-Portal.de (Tuesday, 31 March 2020 14:02)

    Eine tolle Geschichte, die Mut macht, viel mehr für andere da zu sein und Menschen zu unterstützen.
    Schade, wenn genau solche Dienste, die aktuell dringender denn je benötigt werden der Krise und damit dem Schutz des Einzelnen zum Opfer fallen.

    Liebe Grüße, Katja

  • #5

    Viewofmylife (Tuesday, 31 March 2020 12:15)

    Hallo, es ist sehr rührend deine Geschichte zu lesen. Ich bewundere deinen Mut und deine Stärke für andere Menschen da zu sein. Liebe Grüße Claudia

  • #4

    Miriam (Tuesday, 31 March 2020 11:37)

    Meinen größten Respekt hast du. Ich hatte zum Glück nie einen Fall von Demenz in der Familie oder im näheren Umfeld, ich stelle es mir für alle Beteiligten schrecklich vor. Deshalb umso schöner, dass es Menschen wie dich gibt.
    Liebe Grüße von Miriam von www.nordkap-nach-suedkap.de

  • #3

    Dr. Annette Pitzer (Tuesday, 31 March 2020 08:32)

    Danke, für diesen aufrüttelnden Bericht. Die Aufgabe, sich um die zunehmende Anzahl dementer Menschen zu kümmern, geht uns alle an. Demenz wird mit jedem Jahr eine größere Herausforderung für unsere Gesellschaft werden. Es gibt Hinweise, dass 2050 (ja ich weiß ist noch lange hin) 3 Millionen Deutsche dement sein werden, wenn die Zahlen weiter so ansteigen wie bisher.
    Alles Liebe
    Annette
    https://annette-pitzer.de/

  • #2

    IcefeeTestet (Tuesday, 31 March 2020 01:37)

    Ich zieh den Hut vor Dir, sich um solche Menschen zu kümmern dazu gehört viel Gefühl und Geduld. Ich möchte auch gerne liebevoll betreut werden, wenn ich mal alt bin. Danke für den interessanten Beitrag
    Liebe Grüße Katrin
    https://icefee-testet.de

  • #1

    Andreas Schmied (Monday, 30 March 2020)

    Danke für die Vorstellung deines ehrenamtlichen Engagements, du leistest einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft. Meine Mama arbeitet auch ehrenamtlich mit dementenen Menschen, daher kenne ich das was du beschreibst nur zu gut.